
Der Rosenkranz
Der Rosenkranz ist ein katholisches Meditationsgebet. Man betet Vaterunser, zehn Ave Maria und das „Ehre sei dem Vater“ und betrachtet dabei Stationen aus dem Leben Jesu. Die Geheimnisse wechseln nach Wochentag. Man kann ihn am Morgen, am Abend oder vor dem Schlafen beten, allein oder in der Gruppe.
Gebet
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Amen.
Zehnmal:
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Amen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit
und in Ewigkeit.
Amen.
O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden,
bewahre uns vor dem Feuer der Hölle,
führe alle Seelen in den Himmel,
besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.
Amen.
Lutherbibel 1912
Herkunft und Aufbau des Rosenkranzes
Der Rosenkranz hat mittelalterliche Wurzeln. Das wiederholte Ave Maria und die Gebetsschnur als Zählhilfe verbreiteten sich seit dem Mittelalter. Seine heutige Gestalt mit fünfzehn Geheimnissen ist über Jahrhunderte gewachsen und hat sich im 16. Jahrhundert gefestigt. Papst Pius V. bestätigte 1569 mit der Bulle „Consueverunt Romani Pontifices“ die dominikanische Form dieser Andacht.
Der erste Teil des Ave Maria folgt dem Lukasevangelium. Der Gruß des Engels steht in Lukas 1,28, der Gruß Elisabeths in Lukas 1,42. Die Lutherbibel von 1912 liest dort: „Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes“. In Lukas 1,28 hat sie „Holdselige“, das Gebet sagt „voll der Gnade“. Die Bitte „Heilige Maria, Mutter Gottes“ kam erst später hinzu und stand im Römischen Brevier von 1568.
Ein Gesätz besteht aus einem Vaterunser, zehn Ave Maria und dem „Ehre sei dem Vater“. Das Vaterunser wird im Rosenkranz oft ohne den Schluss „Denn dein ist das Reich“ gebetet. In manchen Gebetsanleitungen ist dieser Schluss eingeklammert oder freigestellt. Das Fatima-Gebet nach dem „Ehre sei dem Vater“ ist ein späterer Zusatz, den viele Beter anfügen. Während man betet, betrachtet man ein Geheimnis aus dem Leben Jesu und Marias.
Die Geheimnisse sind in vier Gruppen geordnet: freudenreich, lichtreich, schmerzhaft und glorreich. Johannes Paul II. fügte 2002 in seinem Schreiben „Rosarium Virginis Mariae“ die lichtreichen Geheimnisse hinzu. Er schlug vor: montags und samstags die freudenreichen, dienstags und freitags die schmerzhaften, mittwochs und sonntags die glorreichen, donnerstags die lichtreichen. Das Schreiben erlaubt ausdrücklich Anpassungen, etwa nach liturgischen Anlässen.
So beten Sie ein Gesätz in Ruhe
- Setzen Sie sich aufrecht hin, atmen Sie dreimal tief aus und machen Sie das Kreuzzeichen.
- Wählen Sie das Geheimnis des Wochentags und sagen Sie es still an, zum Beispiel „Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabet getragen hast“ oder einen eigenen Satz.
- Beten Sie das Vaterunser langsam und halten Sie danach einen Atemzug lang Stille.
- Sprechen Sie die zehn Ave Maria in gleichmäßigem Rhythmus und lassen Sie dabei das Bild des Geheimnisses vor Ihrem inneren Auge stehen.
- Wenn die Gedanken abschweifen, kehren Sie ohne Vorwurf zum nächsten Ave Maria zurück.
- Schließen Sie mit dem „Ehre sei dem Vater“, danken Sie in einem Satz für den Tag oder die Nacht und legen Sie eine Sorge bewusst in Gottes Hände.
Häufige Fragen
Ist der Rosenkranz evangelisch oder katholisch?
Der Rosenkranz ist eine katholische Andachtsform, die auch in orthodox geprägten und anglikanischen Kreisen Verwandte hat. In der evangelischen Tradition ist er unüblich, weil er Maria einbezieht. Es gibt aber einen evangelischen Verwandten: Der schwedische lutherische Bischof Martin Lönnebo entwickelte 1995 die „Perlen des Glaubens“, eine Gebetsschnur mit 18 Perlen.
Welche Gebete gehören zum ganzen Rosenkranz?
Ein vollständiger Rosenkranz umfasst fünf Gesätze und beginnt am Kreuz mit Kreuzzeichen und Glaubensbekenntnis. Es folgen häufig ein Vaterunser und drei Ave Maria. Am Ende betet man oft das Salve Regina, das auf Deutsch beginnt: „Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit“. Die Seite oben zeigt ein einzelnes Gesätz.
Wie lange dauert ein Rosenkranz?
Ein ganzer Rosenkranz mit fünf Gesätzen dauert etwa 20 bis 25 Minuten, je nach Sprechtempo und Pausen. Ein einzelnes Gesätz wie auf dieser Seite braucht deutlich weniger Zeit. Eine Rosenkranzandacht in der Gemeinde kann länger dauern, wenn Lieder, Lesungen oder Fürbitten hinzukommen.