
Psalm 91
Psalm 91 ist ein biblischer Vertrauenspsalm im Buch der Psalmen. Er beschreibt Gott als Schirm, Burg und Zuflucht in Gefahr und Angst. Man betet ihn am Morgen vor einem schweren Tag, in Zeiten der Sorge oder am Abend, wenn man sich und die Nacht Gott anvertrauen möchte.
Gebet
Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.
Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der schädlichen Pestilenz.
Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und deine Zuversicht wird sein unter seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
daß du nicht erschrecken müssest vor dem Grauen der Nacht, vor den Pfeilen, die des Tages fliegen,
vor der Pestilenz, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die im Mittage verderbt.
Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir,
daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
daß sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
Lutherbibel 1912
Psalm 91: Zuflucht beim Höchsten
Psalm 91 gehört zu den bekanntesten Vertrauenspsalmen. Er wechselt die Stimme: In den Versen 1 und 2 bekennt ein Beter sein Vertrauen, ab Vers 3 wird er mit „du“ angesprochen, und am Ende, in den Versen 14 bis 16, spricht Gott selbst. In der Vulgata und in älteren katholischen Ausgaben wird er als Psalm 90 gezählt.
Die Bilder sind alt und anschaulich: der Schirm, die Burg, der Vogel, der seine Fittiche über die Jungen breitet. Sie zeigen Gott als Ort der Geborgenheit. Die Gefahren, Jäger, Pestilenz, Pfeile und Nacht, stehen für Bedrohungen, die ein Mensch nicht selbst in der Hand hat.
Die Verse 11 und 12 werden im Neuen Testament zitiert. In der Versuchungsgeschichte hält der Teufel sie Jesus vor (Matthäus 4,6; Lukas 4,10-11). Jesus antwortet mit Deuteronomium 6,16 (Matthäus 4,7). Der Psalm ist also kein Freibrief für Leichtsinn, sondern ein Wort des Vertrauens.
Der Psalm verspricht kein Leben ohne Leid. Vers 15 sagt es nüchterner und tiefer: „Ich bin bei ihm in der Not.“ Gottes Nähe mitten in der Bedrängnis ist der Kern der Zusage.
So beten Sie Psalm 91 am Morgen oder am Abend
- Setzen Sie sich ruhig hin und atmen Sie dreimal langsam aus, bevor Sie zu lesen beginnen.
- Lesen Sie den Psalm einmal laut und langsam, so dass Sie jedes Bild hören: Schirm, Burg, Fittiche.
- Bleiben Sie bei dem Bild, das Sie am meisten anspricht, und halten Sie eine Minute still dabei.
- Nennen Sie Gott in eigenen Worten eine konkrete Sorge, die Sie heute oder in dieser Nacht begleitet.
- Sprechen Sie dann Vers 2 als persönliches Bekenntnis: „Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“
- Danken Sie am Ende für eine Erfahrung von Schutz aus den letzten Tagen und denken Sie an einen Menschen, mit dem Sie über Ihre Sorge sprechen können.
Häufige Fragen
Wer steht unter dem Schirm des Höchsten?
Nach Psalm 91,1-2 ist es der Mensch, der bei Gott Zuflucht sucht und ihn als seine Burg bekennt. Das Wort „sitzt“ meint ein dauerhaftes Wohnen, kein kurzes Hineinflüchten. Der Schutz hängt also an einer Beziehung des Vertrauens, nicht an einer Formel, die man aufsagt, und gilt jedem, der sich so an Gott wendet.
Wird Psalm 91 in der Liturgie gebetet?
Ja, im katholischen Stundengebet ist Psalm 91 der Psalm der Komplet am Sonntagabend, dem kirchlichen Nachtgebet. Dort steht er am Übergang zur Nachtruhe, passend zu den Versen über die Nacht und das Dunkel. Wer abends beten möchte, kann ihn deshalb ganz im Sinne dieser Tradition als Nachtgebet sprechen.
Ist Psalm 91 ein Psalm für die Gesundheit?
Der Psalm nennt Pestilenz und Seuche als Bilder für Bedrohung, er ist aber kein Heilmittel und kein Heilsversprechen. Viele Menschen beten ihn in Krankheit, um Vertrauen und Ruhe zu finden. Das ersetzt keine ärztliche Behandlung. Suchen Sie bei gesundheitlichen Sorgen bitte auch ärztlichen Rat und sprechen Sie mit vertrauten Menschen oder einer Seelsorgerin beziehungsweise einem Seelsorger.
Gebete & Psalmen
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